Hendrikas Seite "Papa Gendarm"



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Zu Abbildung 013, 014, 015
Ich erinnere mich, dass Papa am Wochenende im Einsatz war. Im Sommer kontrollierte er manchmal am Rhein die Angler. Meine Schwester Dagmar und ich liefen an seiner Hand die "Kribben" (Kribben: dazu gibt es eine Fotogalerie!) entlang und wurden Zeuge seiner Aufforderung:" Zeigen Sie mir bitte Ihren Angelschein!"
Wenn wir in unseren weißen Kommunionkleidchen bei der Fronleichnamsprozession mitliefen und Rosenblätter und Holunderblüten streuten, stand Papa am Straßenrand in seiner grünen Uniform, mit weißen Handschuhen. Er "salutierte", als der Priester mit der Monstranz vorbeischritt. Wir waren sehr stolz auf ihn!

Zu Abbildung 016
Unfall Koblenzer Straße Anfang 50er Jahre (an der Stelle etwa, wo sich heute Gaststätte PAK und links Metzgerei Martin befinden)

Zu Abbildung 017
Die Drususstraße in den 50er Jahren - rechts die alte Schule, in der wir wohnten

Zu Abbildung 018
Die alte Schule - abgerissen 1959 wegen des Baus der B9
Die "Gendarmerie" war in unserer Wohnung in der Drususstraße 6 (Parterre in der “alten Schule”) untergebracht..Zur Wohnung selbst ging man rechts in den Hof; dann links um das Haus herum. Es gab in diesem Teil drei Wohnungen: unsere im Parterre (Gendarmerie), dann die Wohnung des Hausmeisters der Schule und die von Frau Quint.

Zu Abbildung 019
Die Stelle nach dem Abriss des Gebäudes 1959. Heute befindet sich dort ein großer Parkplatz.
Zunächst war unser Wohnzimmer "Gendarmeriestation": die Brüder erinnern sich, dass der Zutritt strengstens verboten war! Jeden Samstag durften sie die Sirene betätigen - punkt 12 Uhr! Um dieses Privileg stritten sie heftig, so erzählte es mir Bruder Klaus.

Zu Abbildung 020, 021
Links: Meine Brüder im zerstörten Nachkriegs-Bingerbrück als "Wölflinge" (Pfadfinder) in der Gutenbergstraße
gegenüber des alten Kindergartens rechts: Eltern und Tante Änne (Dreiergruppe links) auf dem Weg
zur Kirche/Kommunion Reiner 1951/ 52Später wurde die Gendarmerie ausgelagert - irgendwo in ein anderes Gebäude; jedenfalls war der Raum irgendwann dann doch unser Wohnzimmer. Ich erinnere mich an ein schwarzes Telefon auf einem großen, dunklen Schreibtisch* im Flur, im Winter ungeheizt wie alle Räume außer der Küche. Der Ofen im Wohnzimmer wurde nur für das Weihnachtsfest beheizt.
*Unter besagtem Schreibtisch sollte meine Schildkröte Moritz überwintern... sie schaffte es nicht! Nach einer feierlichen Beerdigung gruben die Brüder
heimlich den Panzer wieder aus und bastelten daraus einen Aschenbecher. Heute schmunzele ich darüber, aber damals...Wenn wir Geschwister uns am Telefon (Rufnummer 3065) meldeten, wenn Vater nicht da war, sagten wir: "Gendarmeriestation Bingerbrück - Sonntag junior". Das kann ich heute noch im Schlaf vor mich hin beten. Wir fühlten uns natürlich sehr wichtig dabei! Das Telefon klingelte Tag und Nacht, auch an der Tür klingelte es oft: Bürger mit diversen Anliegen, sog. Tippelbrüder und Unfallopfer (die sogar teilweise bei uns nächtigten). Eine aufregende Zeit für uns, für die Eltern eine sehr aufreibende.

Zu Abbildung 022
Zeitungsartikel der 50er Jahre: Unfälle, Diebstähle, Brände : die ganze Bandbreite menschlicher Unzulänglichkeiten und Tragödien
(anklicken zum Vergrößern!)

Verknüpfter Inhalt →
Zu Abbildung 023, 024
Papas "Ausrüstung" als Gendarm in den 50er Jahren: 3-Farben-Signallampe und Tasche für Schreibutensilien etc.
Auf dem rechten Foto hat er sie umhängen. Die Tasche ist heute meine Lieblings-Handtasche.
Nach dem Abriss der alten Schule 1959 zogen wir samt Gendarmeriestation zum Marktplatz 1 (heute Venarey-Les-Laumes-Platz). Dort gab es, als kleinen Vorbau vor dem Sechsfamilienhaus, die neue Gendarmerie! Zwei kleine Räume, besetzt mit zwei bis drei Beamten. Ich erinnere mich an die Herren Kerner aus Bingerbrück, Heßlinger aus Weiler, Zimmermann und Stenzhorn aus Münster-Sarmsheim. Später kam noch Gendarm Schätzl dazu. Gendarm Geiß aus Waldalgesheim wurde kurz nach dem Umzug pensioniert und ist in meiner Erinnerung nicht mehr ganz so präsent bis auf eine Ausnahme* (siehe unten). Gendarm Ludwig aus Bingerbrück hatte wohl auch ein eher kurzes Gastspiel...
*Ich erinnere mich noch heute sehr lebhaft an diesen Vorfall, der mit dem Gendarmen Geiß zu tun hatte: Herr Geiß ging vom Büro über die Koblenzer Straße zum damaligen Edeka-Geschäft, Anfang der 60er Jahre betrieben von der Familie Kieser (heute Versicherung, davor Elektrogeschäft Laloi, neben Sparkasse). Genau an der Telefonzelle war der Zebrastreifen. Unsere zahme Taube ERPEL( “er” war ein Weibchen!) folgte ihm, weil sie glaubte , er sei mein Vater . Erpel liebte meinen Vater und wurde schier verrückt, wenn sie eine grüne Uniform sah. Herr Geiß sah die Taube, reagierte aber nicht (Warum auch? "Vögel fliegen doch weg, wenn ein Auto kommt!") und so stolzierte ERPEL hinter dem vermeintlichen "Papa" her über den Zebrastreifen. Ein LKW kam - der Rest ist traurige Geschichte. Ich habe das dem armen Herrn Geiß lange Zeit nicht verziehen und sehr lange getrauert.
Im Hof waren gab es zwei Zellen, die von uns "Bullesjer" genannt wurden. Dort wurde so mancher schräge Vogel in Gewahrsam gehalten, bis er am folgenden Tag nach Bad Kreuznach überführt wurde. Auch so mancher "Suffkopp" wurde hier zwecks Ausnüchterung eingesperrt. Alle Erinnerungen aufzuschreiben würde zu weit führen.


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